Inhalt:
1. Einleitung
2. Entstehung der Gewässer des heiligen Feldes
3. Geologie des heiligen Feldes
4. Exkursionsprogramm
5. Fotos der Exkursion
6. Liste der gefundenen Mikroorganismen und Fotos
7. Literatur
8. Copyright
Das Große Heilige Meer liegt zusammen mit dem Erdfallsee und dem Kleinen Heiligen Meer in der Nähe von Ibbenbüren/Hopsten, genauer gesagt im
Gebiet des Heiligen Feldes. Außer den bereits genannten Gewässern, gibt es noch den Heideweiher, den Erdfallweiher und ein paar andere, die allesamt aber eher klein sind. Ein Teil des
Heiligen Feldes ist ein Naturschutzgebiet, dem alle erwähnten Gewässer außer dem Kleinen Heiligen Meer angehören. In dem Naturschutzgebiet, es wird Naturschutzgebiet Heiliges Feld genannt,
befindet sich auch die biologische Station, die eine Außenstelle des Westfälischen Museums für Naturkunde ist.
Sie bietet Unterkunft für 32 Personen sowie einen Kursraum und anderes mehr. Leiter der Station ist Dr. Heinrich Terlutter. Nun auch für unsere Exkursion war die Station klarerweise Dreh-
und Angelpunkt. (Abb. 1 und 2)

Abbildung 1: Lage des Heiligen Feldes bzw. des Heiligen Meeres

Abbildung 2: Das Naturschutzgebiet Heiliges Feld
Die Gewässer des Heiligen Feldes sind nicht zuletzt von ihrer Entstehungsgeschichte her sehr interessant. Aber wir wollen natürlich nicht die zahlreichen Planktonorganismen vergessen, für die wir uns doch alle am meisten interessieren und für die wir uns auf den weiten Weg gemacht hatten.
Zuvor aber noch ein paar Worte über die Entstehung der Gewässer des Heiligen Feldes, besonders des Erdfallsees und des Großen Heiligen Meeres.
Wie der gleich in der Nähe gelegene Erdfallsee so ist auch das Große Heilige Meer auf dieselbe Weise entstanden. Der Erdfallsee ist allerdings um etwa 1000 Jahre jünger (der älteste der Seen ist das Kleine Heilige Meer mit 2000 Jahren.) und sozusagen "in unseren Tagen" entstanden. Genauer gesagt am 14.4.1913. Daher ist man über seine Entstehung gut unterrichtet und sie lässt auch Rückschlüsse auf die Entstehung des Großen Heiligen Meeres zu. Nun im ersten Moment mag man sofort wiedersprechen und sagen: "So ein See kann doch nicht von einem Tag auf den anderen entstehen!" Doch er kann bzw. er ist so entstanden:
"Am 14. April 1913, zwischen 6 und 7 Uhr nachmittags, brach wenige hundert Meter westlich der Wirtschaft zum "Heiligen Meer" an der Chaussee von Ibbenbüren nach Hopsten der Boden der Heide auf einer etwa kreisrunden Fläche von etwas über 100m Durchmesser ein, und zwar derart, dass eine oben fast zylindrische, unten konisch-trichterförmige Einsenkung von über 10m Tiefe entstand, die zunächst fast vollkommen trocken war, und auf deren Grund die Birken und Kusselkiefern, mit denen die Heide in jener Gegend dürftig bestanden ist, aufrecht in die Höhe ragten. Um 6 Uhr war ein Bewohner jener Gegend noch über die Stelle gegangen, ohne dass ihm etwas aufgefallen wäre. Und um 7 Uhr trat an mehreren Punkten der Erdoberfläche in der Nähe des Erdfalls Wasser aus, eine Erscheinung, die bald wieder verschwand, aus der man aber, da sie bei der hohen Elastizität des Wassers unmittelbar auf den Einbruch gefolgt sein muss, den Schluß ziehen kann, dass ein längerer Zeitraum kaum zwischen den beiden Ereignissen verstrichen sein dürfte. Von einem Geräusch oder einer besonders fühlbaren Erschütterung, die den Vorgang begleitet hätten, ist offenbar nichts bemerkt worden. Wenigstens ist den in nächster Nähe des Erdfalls angesessenen Bewohnern des Wirtshauses zum "Heiligen Meer" nichts aufgefallen."
So der Geologe Tietze 1913. Und wie/warum kann so etwas passieren? Die Antwort steckt in der Geologie des Heiligen Feldes. Doch dazu etwas später mehr.
Da nun sehr gut bekannt war, wie der Erdfallsee entstanden ist, konnte man sich an die Analyse der Entstehnung des Großen Heiligen Meeres machen. Beide Seen zeigen viele geomorphologische Ähnlichkeiten. Diese Ähnlichkeiten lassen wiederum auf die gleiche Entstehungsart schließen. Rund um diese Wasserflächen (also auf dem 4.5 km langen und 1.5 km breiten Heiligen Feld) existieren noch weitere Einsenkungen (ca. 60), die oft aber sehr flach und unscheinbar sind. Deshalb wird dieser Bereich auch "Senkungszone" (= Heiliges Feld) genannt. Das Alter des Großen Heiligen Meeres ergibt sich aus pollenanalytischen, vergleichend-vegetationskundlichen und siedlungsgeschichtlichen Hinweisen. Es beträgt, wie oben erwähnt, ca. 1000 Jahre.
Nun zur Geologie des Heiligen Feldes:
Das Schutzgebiet liegt nördlich vor dem Teutoburger Wald. Das gesamte Gebiet gehört zur norddeutschen Tiefebene und liegt auf einer Höhe von 45m. Hohe Niederschlagsmengen (750-800 mm)
sind hier keine Seltenheit. Es finden sich im Bereich des Heiligen Feldes und seiner Umgebung Gesteinsschichten aus dem Oberkarbon, der Trias, der Jura und des Quartärs. Wesentlich für
die Erklärung der Erdfälle sind vor allem die unteren Schichten der Jura (Malm) Sie liegen unter den Schichten des Quartärs und bestehen aus Ton- und Tonmergelgesteinen. In den Schichten
des Münder-Mergel (Malm) finden sich salzhaltige Bereiche (Steinsalz) mit bis zu 130 m Mächtigkeit und Anhydritschichten mit mehreren Metern Durchmesser. Diese Gesteine/Salze können im
Grundwasser gelöst und ausgewaschen werden. In die so entstandenen Hohlräume wird Sediment eingeschwemmt. Es entstehen zunächst Senken an der Oberfläche, die sich mit Niederschlagswasser
füllen. Das Niederschlagswasser fördert die Ausweitung der Hohlräume und irgendwann stürzt die
"Decke" ein, da sie dem Druck des darüber liegenden Gesteins nicht mehr standhält. Die ältesten, heute noch erkennbaren Senkungen dürften im Quartär entstanden sein. Es werden
aber noch ältere im Tertiär entstandene vermutet. Die Senkungen und Auswaschungen gehen auch heute noch weiter, wie Erdfälle in den Jahren 1913, 1934, 1958, und 1980 zeigen.
So aber jetzt zum eigentlichen Thema des Artikels, nämlich der diesjährigen Planktonexkursion:
Leiter der Exkursion war der ehemalige Leiter der Außenstelle Otto Rehage, den wir ungemein schätzen lernten und dem unser aller Dank für die gelungene Exkursion gilt. Es fanden sich also 18 interessierte Mikroskopiker aller Altersstufen dort ein.
Hier eine Übersicht der beprobten Gewässer bzw. des Exkursionsprogramms:
1. Tag (16.08):
Begrüßung und Einführung in die Geographie und Geologie des Heiligen Feldes bzw. des Naturschutzgebietes. Danach erste Begehung des Naturschutzgebietes und Kennenlernen desselben. Beprobung
des Heide- und Erdfallweihers mittels Planktonnetz. Bootsfahrt auf dem Heiligen Meer. Danach Mikroskopieren der Proben und Bestimmung der Organismen bzw. Estellung einer Liste der derselben.
2. Tag (17.08):
Bootsfahrt und Beprobung des Großen Heiligen Meeres abermals mit Planktonnetz. Probennahme aus dem Sediment des Großen Heiligen Meeres.
3. Tag (18.08):
Bootsfahrt auf dem Erdfallsee und Probennahme desselben. Limmnologische Gewässeruntersuchung des Großen Heiligen Meeres. Auswertung bzw. Analyse der zu untersuchenden Wasserproben im
Kursraum. Danach Vortrag über die Hydrologie und über Jahreszeitliche Änderungen im Gewässerkreislauf des Großen Heilgen Meeres.
4. Tag (19.08):
Beprobung des Mittellandkanals mittels Planktonnetz. Danach Untersuchung der Proben unter dem Mikroskop und Erstellung einer Liste. Verabschiedung und Rückfahrt.
Im Folgenden nun noch ein paar Fotos der Exkursion und eine Liste der gefundenen Mikroorganismen und Fotographien derselben.

Abbildung 3: Der Leiter der Exkursion Otto Rehage

Abbildung 4: Die Mikroskopikergruppe

Abbildung 5: Probennahme am Erdfallweiher

Abbildung 6: Der Heideweiher

Abbildung 7: Das Große heilige Meer

Abbildung 8: Der Kursraum
| Blattfußkrebse | ||
| Alona sp. | ||
| Bosmina longirostris | ||
| Daphnia longispina | ||
| Ruderfußkrebse | ||
| Eudiaptomus gracilis | ||
| Cyclops sp. | ||
| Canthocamptus staphylinus | ||
| Rädertiere | ||
| Conochilus unicornis | ||
| Filina longiseta | ||
| Lecane sp. | ||
| Gastropus stylifer | ||
| Ascomorpha sp | ||
| Polyarthra vulgaris | ||
| Keratella cochlearis | ||
| Scaridium longicaudum | ||
| Bauchhärlinge | ||
| Trichotria pocilium | ||
| Chaetonotus sp | ||
| Insekten | ||
| Corethra plumicornis (Büschelmückenlarve) | ||
| Beschalte Amöben | ||
| Arcella discoides | ||
| Centropyxis aculeata | ||
| Wimperntiere | ||
| Stentor sp. | ||
| Stentor coeruleus | ||
| Wenigborster | ||
| Pristina longiseta | ||
| Nais ellinguis | ||
| Grünalgen | ||
| Pediastrum boryanum | ||
| Bulbochaete sp. | ||
| Coleochaete scutata | ||
| Goldalgen | ||
| Uroglena volvox | ||
| Dinobryon divergens | ||
| Mattomonas caudata | ||
| Synura uvella | ||
| Panzeralgen | ||
| Ceratium hirudinella | ||
| Kieselalgen | ||
| Naviculla sp. | ||
| Cymbella sp. | ||
| (Tabellaria flocculosa) | ||
| Tabellaria fenstrata | ||
| Surirella sp. | ||
| Jochalgen | ||
| Micrasterias truncata | ||
| Micrasterias americana | ||
| Micrasterias crux-melitiensis | ||
| Micrasterias apiculata | ||
| Closterium kuetzingii | ||
| Closterium ehrenbergii | ||
| Closterium sp. | ||
| Euastrum verrucosum | ||
| Staurastrum furcigerum | ||
| Cyanobakterien | ||
| Anabaena sp. | ||
| Coelosphaerium kuetzingianum (?) | ||
| Microcystis flos-aquae | ||
| Merismopedia glauca | ||
| Blattfußkrebse | ||
| Diaphanosoma brachyurum | ||
| Ceriodaphnia reticulata | ||
| Daphia longisspina | ||
| Leptodora kindtii | ||
| Bosmina longirostris | ||
| Ruderfußkrebse | ||
| Eudiaptomus gracilis | ||
| Cyclops sp. | ||
| Rädertiere | ||
| Keratella cochlearis | ||
| Trichocerca sp. | ||
| Ascomorpha ecaudis | ||
| Kellicottia longisspina | ||
| Gastropus stylifer | ||
| Wimperntierchen | ||
| Epistylis rotans | ||
| Panzeralgen | ||
| Ceratium hirudinella | ||
| Goldalgen | ||
| Uroglena volvox | ||
| Dinobryon stipitatum | ||
| Jochalgen | ||
| Micrasterias americana | ||
| Spirotaenium sp. | ||
| Grünalgen | ||
| Scenedesmus quadricauda | ||
| Botiyococcus braunii | ||
| Ruderfußkrebse | ||
| Nauplius-Larven | ||
| Rädertiere | ||
| Keratella quadrata | ||
| Jochalgen | ||
| Spirogyra sp. | ||
| Grünalgen | ||
| Pediastrum boryanum | ||
| Pediastrum gracillimum | ||
| Cyanobakterien | ||
| Merismopedias sp. | ||
| Moostierchen | ||
| Cristatella sp. | ||
| Pflanzen | ||
| Utricula sp. (Wasserschlauch) | ||
„Das Naturschutzgebiet Heiliges Meer“ Heinrich Terlutter, Westfälisches Museum für Naturkunde, Landesverband Westfalen-Lippe, Münster 1995
„Das Leben im Wassertropfen“ Heinz Streble, Dieter Krauter, 8. Auflage, 1988
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